Dies ist Teil 1 unserer kleinen Trilogie über die elementaren Rahmenbedingungen, die unsere Auffassungen von Wohlklang und dessen Erzeugung bei uns zu Hause mit den Mitteln der Hifi-Technologien bestimmen.
Teil 1: Die Unmöglichkeit perfekter Schallwandler
Teil 2: Du hörst perfekt anders
Teil 3: Du hörst wie Du wohnst
Dieser Artikel gibt einen Einblick in die Schwierigkeiten der Ingenieure zur Entwicklung der Schallwandler, auch Lautsprechertreiber oder kurz „Treiber“ genannt, die in jeder Lautsprecherbox für die Umsetzung des elektrischen Signals vom Verstärker in den in den Raum abgestrahlten hörbaren Schall sorgen. Er richtet sich an alle Musikfreunde und -freundinnen, die als interessierte Laien in Sachen Home-HiFi vom Tech-Geschwurbel der High-End-Nerds abgeschreckt sind, und/ oder den Marketing-Versprechen der HiFi- bzw. Home-Cinema-Branche skeptisch gegenüber stehen. Nach dem Lesen dieses Textes solltet Ihr in der Lage sein, bei der Auswahl und Einrichtung Eurer Lautsprecher zu Hause Euch selbst die richtigen, die wichtigen Fragen zu stellen, um an dieser entscheidenden Stelle für den Musikgenuss die beste Entscheidung zu treffen.
Da die Physik der Schallübertragung vor allem in ihrer beschreibenden Mathematik sehr komplex ist, halten wir uns möglichst eng an die Sinneserfahrung des Hörens selbst und ordnen relevante Bezüge für Euch so ein, dass Ihr die für den Spaß am Musikhören wichtigen von den unwichtigen unterscheiden könnt. Außerdem spicken wir den Text mit Links und Hinweisen auf vertiefende Quellen.
Von Elektronen zu Molekülen
Wir betrachten im folgenden hauptsächlich die sogenannten elektrodynamischen Schallwandler, wie wir sie weit überwiegend in den Lautsprecherboxen am Markt vorfinden, um die grundsätzlichen Probleme und Qualitätsmerkmale zu veranschaulichen. Gelegentlich verweisen wir dabei auf weitere Technologien, die sich unter High-End-Liebhabern einen Ruf als alternative Lösung erarbeitet haben.
Die Grundlage der Umwandlung von elektrischen Schwingungen in hörbaren Schall ist das Phänomen, dass ein elektrischer Leiter in einem Magnetfeld einen gerichteten Bewegungsimpuls erhält, der sich mit der Polarität und Stärke der angelegten elektrischen Spannung bzw. des resultierenden elektrischen Stromes verändert – also steuern lässt. Die Steuerungsaufgabe übernimmt in unserer Hifi-Anlage der Endverstärker – ggf. als Teil einer „aktiven“ Lautsprecherbox, an den die Treiber angeschlossen sind, mit genau dem Musiksignal, das für unsere Ohren bestimmt ist.
Der Antrieb unseres Treibers besteht also aus einer Spule, durch die das elektrische Musiksignal mit annähernd Lichtgeschwindikeit geleitet wird, und einem umgebenden Magneten, der dafür sorgt, dass die Spule in eine vom Musiksignal definierte Bewegung versetzt wird. Verbinden wir die Spule nun mechanisch mit einem hinreichend flächigen, steifen Körper – der Lautsprechermembran – wird die Bewegungsenergie der Spule zunehmend auf die umgebenden Luftmoleküle übertragen und als Luftschall hörbar. Je gößer die Fläche der Membran, und je größer die Auslenkung, d.h. die Amplitude, desto lauter. Voilà.
An dieser Stelle wollen wir einen großen Sprung über die weiteren konstruktiven Grundlagen der Lautsprechertreiber wagen, da das Internet und die Literatur zu diesem Thema schon mehr als genug qualifizierte Quellen bereithält. Stattdessen begeben wir uns direkt in die Kritik einiger typischer Schauplätze im Spannungsfeld zwischen Marketing und praktischer Relevanz.
Antriebskraft und Massen
Aus dem elektrodynamischen Treiberprinzip ergeben sich unmittelbar zwei konstruktive Idealvorstellungen, die sich praktisch leider widersprechen: Den Veränderungen im zugeführten elektrischen Signal, und damit auch den Impulsen zur Veränderung der Schwingspulenlage im Magnetfeld kann die Spule selbst nur unter permanenter Überwindung ihrer eigenen Masseträgheit folgen – also mit Limitierungen hinsichtlich der maximal möglichen Beschleunigung und damit unter Verlust der Impulstreue. Hinzu kommt die unvermeidliche Masse der zu bewegenden Lautsprechermembran und weitere „bremsende“ Konstruktionselemente wie die Randaufhängung der Membran – „Sicke“ – und die Zentrierspinne der Spule. Es liegt also nahe, die Antriebskraft zu maximieren, um Trägheit schneller zu überwinden, und gleichzeitig Trägheit zu minimieren, indem die bewegten Massen so klein wie möglich gemacht werden. Während die Verstärkung des Antriebs den Materialeinsatz für die Schwingspule und folglich für die mechanische Stabilisierung derselben in der Konstruktion nach oben treibt, lassen sich Lautsprechermembrane und Sicke auch nicht beliebig dünn gestalten, um (dauerhafte) Steifigkeit bzw. Haltbarkeit zu gewährleisten. Dazu später noch mehr.
Es handelt sich hier um ein universelles Optimierungsproblem, dass aus physikalischen Gründen niemals die perfekte Reproduktion eines elektrischen Impulssignals im akustischen Ergebnis erbringen kann, und betrifft alternative Treibertechnologien wie Elektro- oder Magnetostaten grundsätzlich ebenso.
Zum Glück sind elektrische Sprungsignale üblicherweise nicht Teil eines realen Klangwerks, und die Toningenieure im Aufnahmestudio stehen zudem vor demselben Problem, d.h. was immer wir von LP, CD oder Streaming als Musiksignal elektronisch vorfinden, ist das Ergebnis eines „Klangdesigns“ aus dem Abhören über Lautsprecherboxen, die natürlich denselben Limitierungen unterliegen. Auch hierauf wollen wir noch zurückkommen.
Die X-Achse
Bei der Konstruktion von Lautsprechertreibern strebt man praktisch ausschließlich Membranbewegungen in einer einzigen räumlichen Koordinate an – „vor und zurück“, die „Kolbenbewegung“. Die konzentrische Ausrichtung aller Bauelemente entlang dieser X-Achse – Magnet(feld), Schwingspule, Membrane – und der Erhalt derselben im laufenden Betrieb ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal hochwertiger Treiber, die entsprechende Qualitätssicherung durch den Hersteller natürlich ein Kostenfaktor.
In jedem Fall ist der „Arbeitsbereich“ der Membranbewegung eines Lautsprechers begrenzt. Tieftöner im Home-Hifi können mechanisch bis zu 20mm in beide Richtungen ausgelenkt werden, je nachdem wie die Konstruktion im Inneren bzw. an der Sicke ausgeführt ist. Sogenannte „langhubige“ Basstreiber für Car-Hifi oder Home-Cinema haben noch größere mechanische Spielräume.
Allerdings verliert ein Treiber seine linearen Übertragungseigenschaften, also die (frequenzunabhängige) gleichförmige Auslenkung bei veränderlicher Leistung/ höherer Lautstärke, bei der Musikwiedergabe wesentlich früher. Neben der zuvor beschriebenen Masseträgheit wirken weitere Rückstellkräfte auf die Membran, z.B. aus den Verformungen der Sicke, Zentrierspinne und der Membrane selbst. Auch die mechanische Kontrolle der konzentrischen Bewegung gerät immer schwieriger mit zunehmender Hublänge, weswegen viele günstige Subwoofer zwar tiefe Töne laut abstrahlen, aber kaum noch differenzierbare Details im Tiefbass nachzeichnen können.
Auch im Antrieb handeln viele Qualitätsmerkmale bzw. Limitierungen von Effekten, die sich in Abhängigkeit der Spulenbewegung bzw. -lage in der X-Achse einstellen. Die wichtigsten bestehen in der Veränderung der „Eintauchtiefe“ der Spule im homogenen Magnetfeld und die damit veränderliche generelle Kraftwirkung sowie in der Veränderung ihrer Induktivität/ ihres Widerstandes durch die Wechselwirkung mit dem Magneten und damit verbundene Klangverfärbungen.

Die Y-Z-Ebene
Während der Antrieb unserer Lautsprechertreiber (weit überwiegend) für eine möglichst reine, axiale Kolbenbewegung konstruiert wird, muss die damit verbundene Membran die vor (und hinter) ihr liegende, ebenfalls träge Luft entsprechend in Bewegung versetzen, um hörbaren Schall zu erzeugen. Je mehr Luft von der Membran direkt angeschoben wird, bestimmt durch die Ausdehnung der bewegten Membranfläche senkrecht zur Schwingungsachse und durch die Amplitude dieser Schwingung, desto lauter der Schall. Und – vereinfacht – je tiefer die Frequenz, desto mehr Energie bzw. Luftbewegung ist erforderlich für die gleiche empfundene Lautstärke im Vergleich zu höheren Frequenzen. Der Unterschied von 4 Okatven zwischen 100 Hz und 1.600 Hz verlangt am unteren Ende das 200- bis 300-Fache an Eintrag kinetischer Energie in die Luft. Gemessen daran sind die Unterschiede in den konstruktiven Abmessungen und Gewichten von marktüblichen Lautsprechertreibern für den Bassbereich und für den Mitteltonbereich doch noch erstaunlich moderat, oder nicht?
Die technische Notwendigkeit, Schall durch den Impuls einer „definiert vibrierenden Platte“ an die umgebende Luftmasse zu übertragen, stellt an die Konstruktion dieser Platte – unsere Lautsprechermembran – einige ideale Anforderungen, die wieder einmal praktisch nicht zu erfüllen sind. Die erste kennen wir schon aus dem eingangs behandelten Antriebs-/ Trägheitsdilemma: Natürlich muss die Membran aus irgendeinem Material mit endlicher Dichte und Stärke gefertigt werden, und je größer die Fläche der Membran wird, desto schwerer wird sie wohl auch werden. Auch die notwendige konstruktive Verbindung mit dem Antrieb benötigt eine gewisse mechanische Stabilität, die einen endlichen Materialeinsatz erfordert.
Und jetzt kommen auch noch Thermodynamik und Verformungen…
Der Eigensinn der Luft
Wenn die Lautsprechermembran die Luft anschiebt, pflanzt sich der Bewegungsimpuls von Luftmolekül zu Luftmolekül unter ständigen Richtungswechseln fort – makroskopisch ergibt sich daraus die Idealvorstellung von der kugelförmigen Schallausbreitung im Raum ausgehend von der Schallquelle. Dieselbe Anregung, allerdings gegenphasig, erfährt die Luft auf der anderen Seite der Membran. Dies führt theoretisch zur Auslöschung des hörbaren Schalls, praktisch ist der Effekt erlebbar dadurch, dass es einfach nicht gelingen will, einem freiliegenden Basstreiber nennenswerte Bässe zu entlocken. Aus diesem Grund muss die Rückseite der Lautsprechermembran vom eigentlich zu beschallenden Raum möglichst schalldicht abgetrennt werden. Während dies bei einschlägigen Hochtönern, z.B. Kalottenhochtönern, meist schon mit der Antriebskonstruktion integriert ausgeführt wird, führt uns dieser Umstand bei den Tieftönern zu dem weiten Feld der Lautsprechergehäuse und ihrer Wechselwirkung mit dem Treiber. Auch für diesen Bereich wollen wir an dieser Stelle gerne auf das reichhaltige Quellenangebot im Netz verweisen, und natürlich auf die besondere Lösung, die die Lautsprechergehäuse von 3BE auszeichnen.
Bleiben wir bei dem Phänomen der Impulsübertragung von der Lautsprechermembran an die Luft, dann sehen wir zunächst schnell ein, dass letztere von der Membranfläche aus natürlich nicht ideal kolbenförmig geschoben werden kann, sondern zu den Außenrändern hin immer weiter seitlich ausweicht. Dadurch kommt es bei der Schwingung der Membran an ihrer Oberfläche zu sehr schnellen Ausgleichsströmungen quer zur Fläche und lokalen Verwirbelungen, die ihrerseits zu über die Fläche verteilt unterschiedlichen Krafteinwirkungen auf die Membran führen und selbst – ungewollte – Schallereignisse darstellen. Mathematisch gehört diese Fluiddynamik wegen der zahlreichen Wechselwirkungen von theoretisch erklärten Einzeleffekten – Modulationen, Phasenverschiebungen etc. – in den Bereich der Chaostheorie, praktisch bedeutet dieser Umstand, dass das Material für eine „gute“ Lautsprechermembran nicht nur leicht und steif sein muss, sondern auch noch eine hohe Dämpfung hinsichtlich dieser physikalisch unvermeidlichen Interferenzen haben sollte.
Wenn die Membran aus der Form fällt
Keine Lautsprechermembran ist gegen Verbiegung immun. Einige Kräfte, die durch ihre lokal unterschiedlichen Angriffspunkte im Betrieb eine Verformung der Membran hervorrrufen können, haben wir schon kennengelernt: Die Rückstellung/ Begrenzung durch die Sicke am Membranrand, Turbulenzen und Querströmungen an der Oberfläche und natürlich die Befestigungspunkte zur Antriebsspule. Dynamische, trägheitsbedingte Verformungen der Lautsprechermembran durch den eben nicht über die Fläche gleichmäßigen Antrieb verändern den Klangeindruck unter Umständen signifikat, da der Schallimpuls nicht mehr zeitgleich über die gesamte Membranfläche an die Luft übertragen wird. Die bekannten konischen Bauformen für Tieftöner und die gewölbten Membrane der Kalottenhochtöner schaffen hier insoweit Abhilfe, dass die eingeleiteten Kräfte wie bei einer Eierschale teilweise als Druck- und Zugspannungen statt Biegespannungen im Material abgeleitet werden. Andere Bauformen wie Magneto- oder Elektrostaten setzen stattdessen auf die Vergleichmäßigung der Krafteintragung über die Membranfläche hinweg, was allerdings mehr konstruktive Komplikationen an anderen Stellen mit sich bringt.
Die begrenzte Biegesteifigkeit von plattenartigen Festkörpern zeitigt bei Lautsprechertreibern ein weiteres, häufig unterschätztes Phänomen: Die Eigenmoden einer Plattenschwingung. Wird eine Membran durch Frequenzen angeregt, deren Wellenlänge im Bereich der Plattenabmessungen und ihrer ganzzahligen Teiler liegt, resoniert die Platte mit entsprechenden Biegeschwingungen, oft „Aufbrechmoden“ genannt. So liegt die erste Aufbrechmode eines 30cm-Tieftöners um 1kHz, die eines Kalottenhochtöners weit oberhalb des Hörbereichs. In Computersimulationen mit einigen Idealisierungen hinsichtlich der Homogenität von Material und geometrischen Randbedingungen lassen sich diese Schwingungseffekte heute sehr schön visualisieren. Obwohl wir in typischen 2- oder 3-Wege-Kombinationen aus Tief-, ggf. Mittel- und Hochtöner die Treiber nominell meistens in Frequenzenbereichen unterhalb ihrer theoretischen Aufbrechmoden einsetzen, lohnt sich eine etwas kritischere Befassung mit dem Thema: Erstens setzen die Aufbrechmoden unter realen Konstruktionsbedingungen der Lautsprechertreiber deutlich früher ein, zweitens können die Schallpegel der Eigenmoden Spitzen um +12dB erreichen und damit bei einfachen Frequenzweichen doch noch deutlich wahrnehmbar werden, und drittens haben die Eigenmoden ein „eigenes“ Zeit-, d.h. Ein- und Ausschwingverhalten, das sich nicht harmonisch in die Übertragung einfügt und als sogenanntes „Ringing“ zu wahrnehmbaren Artefakten in der Klangcharakteristik der Lautsprecher führt. Auch hier ist aus unserer Sicht eine Optimierungsaufgabe hinsichtlich einer gewissen inneren Dämpfung des Membranmaterials gegenüber der unvermeidlichen Limitierung seiner Biegesteifigkeit/ Härte gegeben.

Was macht also einen guten, realen Lautsprechertreiber aus?
Das praktische Rezept für den perfekten Lautsprechertreiber ist unseres Wissens nach noch nicht gefunden, trotz vieler interessanter Alternativen, z.B. in den Details des Antriebs zur Stabilisierung des Magnetfeldes und zur Immunisierung der Schwingspuleninduktivität, oder in den Materialien für die Membran. Zu viele Einzeleffekte und ihre jeweiligen Wechselwirkungen sind nach dem vermeintlich deterministischen Engineering erst in der experimentellen Überprüfung auszumachen, und die „Trade-Offs“ durch aufwendige Iterationen herauszuarbeiten. Letztlich führen die verschiedenen Entwicklungen seit Jahrzehnten – vom Phase Plug bis zur Membran in Sandwich-Bauweise – unseres Erachtens immer wieder an Grenzen, die selbst in der preislichen Spitzenklasse keine absoluten Lautsprecherfavoriten ausmachen lassen.
Während es also offensichtlich nicht allzu kompliziert ist, aus wenigen einfachen Bauteilen einen elektrodynamischen Schallwandler herzustellen, erfordern Design und Konstruktion für die authentische Reproduktion von Klängen vielschichtige Abwägungen zur Auswahl und Dimensionierung der Bauteilparamenter, Testaufwand sowie große Sorgfalt in der Fertigung. Dabei muss aus unserer Sicht der Fokus sein, die Impulstreue bei der „abschließenden“ Energieübertragung an die Luft zu maximieren, also das Zeitverhalten der Membran und ihres Antriebes in allen räumlichen Achsen zu optimieren. Das ist etwas anderes, als einen Wirkungsgrad oder einen Amplitudenfrequenzgang zu tunen, und bedeutet gerade für Neuentwicklungen erhebliche Kosten ohne Gewähr auf den ultimativen Durchbruch.
Von daher wird erklärlich, warum sich manche Lautsprechertreiber schon seit 30 oder mehr Jahren nahezu unverändert im Markt halten können, manchmal kopiert oder umfirmiert. Es ist nicht despektierlich gemeint: Da haben die Entwickler mal Glück gehabt.
Über die technischen Daten von Lautsprechern
Nach unseren Erfahrungen erkennt man hervorragende Lautsprechertreiber und Lautsprecherboxen im Markt für Home-HiFi und -Cinema leider nicht an den technischen Daten, die die Händler üblicherweise zur Verfügung stellen. Insbesondere die Angaben zu Wirkungsgrad/ Kennschalldruck, Belastbarkeiten und Übetragungsbereich haben so gut wie keine Bedeutung für eine „gelungene“ Auswahl im Sinne des guten Klangs. Auch beigefügte Messdiagramme zum Amplituden- und Impedanzfrequenzgang sind meistens wenig hilfreich, abgesehen von einer ersten Indikation für den Einsatz in geeigneten Kombinationen mit weiteren Ausrüstungsteilen, zumal verschiedene Hersteller nicht unbedingt unter denselben Bedingungen messen bzw. darstellen.
Thiele-Small-Parameter, gedacht zur Auslegung der zum Treiber passenden Lautsprechergehäuse, geben immerhin schon einmal Anhaltspunkte zur Kombination von Antriebsstärke, Massenträgheit und axialer Elastizität. Allerdings lassen diese Parameter keinen unmittelbaren Rückschluss darauf zu, inwieweit der so erzeugte Klang dem Originalsignal entspricht, oder sich entsprechende Verzerrungen mit der Membranauslenkung verändern.
Wesentlich aussagefähiger, aber auch ungleich aufwendiger in der Erfassung, sind die Klippel-Parameter, die im wesentlichen die elektrischen Größen und Thiele-Small-Parameter eines Treibers in Abhängigkeit der axialen Auslenkung darstellen. In diesen Messungen lassen sich Nichtlinearitäten auch gleich nach ihren Ursachen differenzieren und Schwachstellen ggf. gezielt zur Optimierung identifizieren. Während diese Messungen als Teil eines Entwicklungsprozesses für ein Treibermodell Standard sein sollten und für den potentiellen Käufer verfügbar, ist der Aufwand als Teil der Qualitätssicherung in der Serienfertigung kaum wirtschaftlich vertretbar.
Zur Qualitätssicherung eines einzelnen Stückes aus der laufenden Fertigung eignen sich recht schnell durchzuführende Vergleichsmessungen zu vorhandenen Referenz-Frequenzgängen des jeweiligen Treibermodells mittels Sinus-Sweep-Signalen, durch die eventuelle Abweichungen außerhalb einer vorgegebenen engen Toleranz identifiziert werden können. Diese Prüfmessungen sollten mindestens die klassischen harmonischen Klirranteile („THD“) umfassen. Besser, weil unmittelbar das Zeitverhalten zeigend, inklusive der Auswertung des frequenzabhängigen Abklingens, das wir als Teil der sogenannten Wasserfalldiagramme kennen.
Es ist offensichtlich, dass die vorgenannten Qualitätsmerkmale Kosten oder Aufwand beim Anbieter bzw. beim Anwender erfordern. Doch handelt es sich um die Prüfung der für eine impulstreue, und damit authentische Wiedergabe entscheidenden Eigenschaften von Treibern und Lautsprechern. Dagegen möchten wir an dieser Stelle gerne noch einmal ausdrücklich das Ziel bzw. die Bewertung von Diagrammen mit vermeintlich „linealglatten“ Amplitudenfrequenzgängen relativieren, auch unter Verweis auf die Aspekte, die wir in den beiden anderen Teilen unserer kleinen Trilogie über Wahrheiten in High Fidelity beleuchten werden: Die Unterschiede in der individuellen Wahrnehmung von Tönen und Klängen, und den Einfluss der Raumaukstik auf das Hörerlebnis.
Studiotechnologie für zu Hause?
Wir kommen noch einmal auf den Umstand zurück, dass wir als Konsumenten von Audioproduktionen daheim über eine grundsätzlich vergleichbare Kette von technischen Geräten hören wie ein Toningenieur bei der Bearbeitung einer Aufnahme, bevor sie ihren Weg auf die einschlägigen Datenträger findet. Trotzdem wird im Marketing für Home-HiFi und -Cinema sehr stark auf Abgrenzung zur Studiotechnologie gesetzt, gerade auch im Bereich der Lautsprecher. Verständlich vielleicht, um im umkämpften mittelklassigen HiFi-Markt mit seinen kostenbedingten Limitierungen bei wichtigen Qualitätsmerkmalen einen entsprechenden „typischen“ Klangstandard zu zementieren. Im High-End-Bereich mit dem Anspruch an „absolut unverfälschte Klangwiedergabe“ erscheint uns diese Positionierung etwas problematisch, da gerade in der Studiotechnologie zeitrichtige, impulstreue Wiedergabe der Lautsprechertreiber oberste Priorität genießt. Zwar sind exzellente Tonstudios hoch integrierte Gebilde, in denen die Wiedergabeausrüstung und Raumakustik aufwendig aufeinander abgestimmt sind, während Wohnästhetik bei der Einrichtung möglicherweise weniger gewichtet wird. Gleichwohl raten wir, auch mit Blick auf die zunehmend hoffähigen Möglichkeiten zur digitalen Verbesserung von Einflüssen der Raumakustik und zur Anpassung persönlicher Hörgewohnheiten, Lautsprecher mit dem Label „Studio“ oder „Monitor“ auch für zu Hause in Erwägung zu ziehen. Ästhetische Erwägungen zur Wohnraumeinrichtung lassen wir an dieser Stelle außen vor.

Zusammenfassung
Die Schallwandler zur Umsetzung von elektrischen Musiksignalen in hörbaren Klang stellen seit Jahrzehnten die größte Herausforderung an die Vereinbarung widersprüchlicher Maximalziele bei der elektromechanischen Konstruktion dar, und sie hält trotz immer neuer Superlative in der Lautsprecherwerbung an. Sie stellen bereits im Tonstudio den limitierenden Faktor hinsichtlich der korrekten Reproduktion von akustischen Ereignissen durch den Toningenieur dar. Gelungene Treiber für authentische Musikwiedergabe zeichnen sich durch zeitrichtige, impulstreue Wiedergabe über einen definierten Frequenzbereich sowohl bei geringen als auch bei gehobenen Lautstärken aus. Nachrangig dazu sehen wir „Marketing-Themen“ wie Amplitudenfrequenzgang, Kennschalldruck und Maximallautstärke. Es ist nicht einzusehen, warum für klangliche Qualitäten an Lautsprecher bzw. Lautsprechertreiber im Home-HiFi andere Qualitätsmaßstäbe anzulegen seien als an Studiolautsprecher. Mangels Breite im Angebot an reproduzierbaren, aussagefähigen technischen Daten für Lautsprechertreiber greifen wir bei 3be audio gerne auf langjährig im Markt bewährte Fabrikate zurück, die zudem im einzelnen zur Sicherstellung fehlerfreier Fertigung vor der Verwendung eigens vermessen werden müssen.
(*) Wissenschaftliche Quellen und Referenzen
E. Geddes: „Audio Transducers“
M. Colloms: „High Performance Loudspeakers“
J. D’Appolito: „Testing Loudspeakers“
D. Self: „Loudspeakers“
R. C. Heyser: „Loudspeaker Phase Characteristics and Time Delay Distortion“
Diverse weitere AES-Publikationen von N. Thiele, R. Small, W. Klippel
Diagramme und Schaubilder erstellt mit KI-Unterstützung